Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
82
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Wandel aller menschlichen Gesetze und Begriffe über-zeugt, dass es uns eigentlich ein Erstaunen macht, wiesehr die Ergebnisse der Wissenschaft Stand halten!Früher wusste man Nichts von dieser Wandelbarkeitalles Menschlichen, die Sitte der Sittlichkeit hielt denGlauben aufrecht, dass das ganze innere Leben desMenschen mit ewigen Klammern an die eherne Noth-wendigkeit geheftet sei: vielleicht empfand man da-mals eine ähnliche Wollust des Erstaunens, wenn mansich Märchen und Feengeschichten erzählen liess. DasWunderbare that jenen Menschen so wohl, die der Regelund der Ewigkeit mitunter wohl müde werden mochten.Einmal den Boden verlieren! Schweben! Irren! Tollsein! das gehörte zum Paradies und zur Schwelgereifrüherer Zeiten: während unsere Glückseligkeit der desSchiffbrüchigen gleicht, der ans Land gestiegen ist undmit beiden Füssen sich auf die alte feste Erde stelltstaunend, dass sie nicht schwankt.

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Von derUnterdrückung der Leidenschaften.Wenn man sich anhaltend den Ausdruck der Leiden-schaften verbietet, wie als etwas denGemeinen, dengröberen, bürgerlichen, bäuerlichen Naturen zu Über-lassendes, also nicht die Leidenschaften selber unter-drücken will, sondern nur ihre Sprache und Gebärde:so erreicht man nichtsdestoweniger eben Das mit, wasman nicht will: die Unterdrückung der Leidenschaftenselber, mindestens ihre Schwächung und Veränderung: wie diess zum belehrendsten Beispiele der Hof Lud-wigs des Vierzehnten und Alles, was von ihm abhängigwar, erlebt hat. Das Zeitalter darauf, erzogen in der