Seitdem das grosse musikalische Sammelwerk desMarcus Meibomius ans Licht trat, also seit 216 Jahren,haben die den aristoxenischen Ueberresten der Harmonikzugewendeten Studien im halben Schlummer gelegen; erstneuerdings wieder in Angriff genommen, finden sie hier inder genannten kritischen Ausgabe Marquard’s einen vor-läufigen Abschluss. Von Abschluss reden wir, weil hierzum ersten Male ein sorgfältiger kritischer Apparat gebotenwird und in ihm die erste Vergleichung der Fundamental-handschrift, eines Venetus saec. XII, sodann, weil hier dieGrundsätze der Aristoxenischen Kritik, soweit sie sich aufRang- und Familienabfolge der Handschriften bezieht, mit zu-verlässlicher Sicherheit dargestellt sind. Wenn wir schliess-lich gesonnen sind, die vorliegende Feststellung des Textesmit ihrem conservativem Gepräge im ganzen zu vertreten,so hat dies zwar nicht seinen Grund darin, dass uns dieVoraussetzungen des Verfassers über Entstehung dieserSchriftenstücke und ihres Verhältnisses zu Aristoxenus zurUeberzeugung gebracht wären; aber auch von einem anderenGesichtspunkte aus wird uns strenges Maass und engerAnschluss an die Ueberlieferung anempfohlen. Völlig ge-sichert ist jedenfalls die zu gleicher Zeit von Marquard undWestphal ans Licht gezogene Thatsache, dass von den so-genannten drei Büchern der harmonischen Elemente nurdie zwei letzten diesen Titel verdienen, das erste dagegeneinem anderen Werke des Aristoxenus zugehört: ein Er-gebnis, das nach Marquard’s Beobachtung sogar noch einehandschriftliche Tradition bestätigt, die dem ersten Bucheden Titel tö irp b xeüv a-rot/siojv zuweist, die anderen aber alserstes und zweites Buch der csxot yzXa app,ovwa bezeichnet.Während aber nun Westphal vollständige und echte Schriftendes Aristoxenus zu besitzen glaubt, will Marquard nichtsals Excerpte aus verschiedenen Aristoxenischen Schriften,»die vielleicht nicht einmal unmittelbar aus solchen ge-schöpft sind«, anerkennen. Man wird das Erste leugnenund das Andere nicht zugeben. Die zahlreichen und grund-verschiedenen Erscheinungen, welche Marquard auf die »zer-störende Hand« zweier Excerptoren zurückführt, lassen sich
Druckschrift
17 : Abt. 3, Philologica ; Bd. 1 (1910) Gedrucktes und Ungedrucktes aus den Jahren 1866 - 1877
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284
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