die Abschreiber nicht die Wiederholungen, sondern die Aus-lassung von Wiederholungen verschuldet hätten?
Genau so steht es; wir werden die Wiederholungenleichten Kaufes nicht los. Denn abgesehen davon, dass siedurch die beste und älteste Handschrift, den Cod. Mutinensis,sicher gestellt sind, zeigt sich auch die überraschende That-sache, dass sie vielfach nicht Wiederholungen aufs Wortsind, sondern einzelne Worte, Strukturen, ja ganze Versevariiren. Unsere Herausgeber entscheiden sich für einedieser Varianten und nehmen sie in den Text auf: dieandere sammt der Wiederholung streichen sie und ver-merken sie höchstens in den kritischen Noten. Aber zu-nächst kommt es nicht darauf an, welche Variante desDichters am würdigsten ist, sondern wie ein Fragment indoppelter Fassung in den Text kommen konnte. Bevordiese Frage nicht befriedigend gelöst ist, war kein Rechtvorhanden, die Wiederholungen aus dem Texte zu ent-fernen. Man muss sich ja überhaupt bescheiden, in derTheogniskritik die echten Lesarten oder die echten Ge-dankenfolgen wiederherzustellen; was aber erreicht werdenkann, ein deutliches Bild der letzten Redaction, ihrerZwecke, ihres Textverfahrens, das verbietet diese Wieder-holungen gering zu achten; vielmehr dürften die nach-folgenden Ausführungen zeigen, wie man sogar von be-sagten Wiederholungen ausgehen muss, wenn man überjene Redaction und ihre Ziele sich belehren will.
Unsere Theognishandschriften *) schwanken, wie ge-sagt, bedeutend in der Zahl dieser Wiederholungen. Bevorich aber letztere aufzähle, wird es nöthig sein, ein über-sichtliches Bild der Codd. und ihrer Verwandtschaftsgradezu entwerfen. Wir unterscheiden in ihnen zwei grosse,stark verschiedene Familien, deren eine durch den einzigenCod. A repräsentirt wird. Diese höchst wichtige Pariser
') Einige genauere Nachrichten über die Pariser Codd. sowiecod. Vat. O verdanke ich der gütigen Vermittlung des Herrn Geh.-R.R i t s c h 1 [d. li. der unmittelbaren freundlichen Unterstützung der
Herren C. Wescher in Paris und A. Wilmanns in Rom.
D. Red.]