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Zur Geschichte der TheognideischenSpruchsammlung.
(Rhein. Museum für Philologie, N. F., Bd. XXII (1867),Heft 2, S. 161—200)
I.
Die letzte Redaction der Theognidea.
Jeder Leser des Theognis muss es bemerken, dass ihmmehrere Gnomen oder, richtiger gesagt, Fragmente zwei-mal in der Sammlung begegnen. Sieht er genauer zu, sofindet er, dass der bei weitem grösste Theil derartigerWiederholungen von den neueren Herausgebern aus demTexte gestrichen ist. Vielleicht mit Recht: denn wir lernenin Wiederholungen nichts Neues kennen. Vielleicht auchmit Unrecht: denn mitunter lernen wir durch sie. Eswäre ja möglich, dass wir aus ihnen Aufschlüsse gewönnenüber die Tradition des Theognis. Jedenfalls indessen warensie zu erklären, ehe sie beseitigt wurden. Dies aber istnicht geschehen.
Wäre zum Beispiel nachgewiesen, dass diese Wieder-holungen um so zahlreicher werden, je jünger die Hand-schriften sind: dann hätten wir ein vollkommenes Recht,sie aus dem Texte zu entfernen, und es brauchte kaum ge-zeigt zu werden, welcher Absicht oder welcher Fahrlässig-keit der Abschreiber ihre Entstehung zuzumessen wäre.Wie aber, wenn es umgekehrt stände, wenn in der jüngstenHandschrift sich gerade die kleinste, in der ältesten diegrösste Anzahl von Wiederholungen vorfände? Wenn also
Nietzsche, Werke. III. Abth., Bd. XVII. (Philologica I.) 1