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directe Anrede an die Hörer ins Heft schrieb, ruft er denSchülern zu, an der classischen Tendenz des Gymnasiumsfestzuhalten. Hier taucht das Grundproblem unseres Ver-hältnisses zur Antike auf. Dass Nietzsche’s Stellung zudiesem Problem mehr ist als ein Thema für literar-historische Schwätzer, das hat Karl Joel in seinemschönen Buche »Nietzsche und die Romantik« 1905, p. 279 ff.völlig klar formuliert. Hier muss es genügen, auf ihn zuverweisen.
Der erste Nietzsche, der noch glaubt, der nochhofft — wer spricht heute noch von ihm? Heute, wogrüne Burschen glauben, mit dem dritten Nietzsche längstfertig zu sein, und allerhand Kulturheilkundige sich alsNietzsche-Ueberwinder selbst anpreisen! Wer nicht die un-geheuren Hoffnungen, die flammende, mühsam verhalteneGlut in der Seele des jungen Idealisten wirklich em-pfunden hat, der wird die Krisis in seinem Leben so wenigverstehen, als die Rache, die er später an seinen altenIdealen, an sich selbst nahm. Wer den ersten Nietzschenicht versteht, nicht liebt, der versteht die Tragik seinesSchicksals überhaupt nicht.
Als Rohde in späteren Jahren — der anerkannte Philo-loge, der skeptisch Gewordene, vor Jahren jäh mit demFreund Zerfallene — auf der Fahrt nach Berlin an Naum-burg vorbeigefahren, da schrieb er an Overbeck (bei Crusiusa. a. O., p. 175): »Das ist nun dreiundzwanzig Jahre her;welch herrlicher Mensch und wie eine neue Offenbarungmenschlichen Wesens war damals der arme Nietzsche!«
Ulm a ID., den 15. Januar 1910.
Ernst Holzer.