XIV
merken, dass ich einiges aus bekannten Quellen Stammendes-und einiges vom Stand unseres Wissens aus Unhaltbares(Dithyrambus!) stehen liess, ebenso einiger hübscher Be-merkungen wegen Cap. 7 f. nicht gekürzt habe? Mit Absichtnatürlich, da es sich darum handelte, ein Bild von seinerArt, zu lehren und von den ihn damals beherrschendenGedanken zu geben. Einigen Lesern wird auffallen, was-Nietzsche von Schiller und der Braut von Messina sagt.Man kennt ein paar Worte des späteren Nietzsche überSchiller und — verabscheut sie. Jeder Nietzschekenner aber(das sind nicht nothwendig die, welche die »Nietzsche-literatur« um ein dickes Buch »bereichert« haben) weiss,dass es eine Zeit gab, wo Nietzsche ganz anders vonSchiller dachte, und dass die Schrift über die Tragödienicht bloss im Stil mit Schiller verwandt ist. Deussenschreibt in seinen Erinnerungen an Fr. Nietzsche, Leipzig,Brockhaus, 1901, p. 87: »Auch sonst liess er es [im Juli1872 bei einem Besuch D.’s in Basel] nicht an originellenBehauptungen fehlen. Er sprach mit Begeisterung vonCicero, stellte Schiller neben, wenn nicht überGoethe«, u. s. w.
Die Auswahl aus den encylclopädischen Vor-lesungen bedarf wohl keiner langen Begründung. Trotzihrer formellen Unfertigkeit sind sie in ihrer Art ein herr-liches documentum für den »ersten« Nietzsche. BiographischeFäden führen von hier zu den Vorträgen über die Zukunftder Bildungsanstalten und zur zweiten Unzeitgemässen. Erschreibt an Rohde, Br. Bd. II, p. 244: »Jetzt lese ich »Ein-leitung und Encyklopädie«, zum Staunen meiner Zuhörer,,die sich schwerlich in dem Bilde wiedererkennen, das ichvon dem idealen Philologen entwerfe.« Man wird die Stellenleicht hier finden, wo das Verständniss mancher Zuhörernicht mehr mitkam, wie die vom »eigenen Weg«, vonden philosophischen Ansprüchen an den Philologen usw..Andrerseits wird mir gerade von alten Baseler SchülernNietzsche’s die fascinierende Kraft der Vorträge über dieBildungsanstalten einstimmig bezeugt (vgl. auch an RohdeBr. II, p. 299). An der einzigen Stelle, wo er sich die