XIII
quellen thcorie. Eines wollen wir nicht vergessen, wennwir diesen Band lesen: was in abermals 40 Jahren dieFachwissenschaft über die »Commersbuchidee«und die■Quellen und Nichtquellen des Laertius behaupten wird, daswissen wir Alle miteinander nicht. Von den »überwundenen«Anschauungen der unmittelbar vorhergegangenen Zeit rechtscharf zu reden, ist Philologenart (bei den ganz JungenPhilologenunart). Diese lobenswerthe Schärfe, welche frei-lich oft genug im umgekehrten Verhältniss zu der Wichtig-keit der Probleme steht, hat im Falle Nietzsche etwasdoppelt Begreifliches ....
Will man einen gerechten biographischen Maassstabfür die Beurtheilung der veröffentlichten Sachen gewinnen,so scheint es nicht ganz unnöthig, darauf hinzuweisen,dass die sämmtlichen gedruckten Arbeiten eigentlichArbeiten des 22—24jährigen Studenten sind; denn sowohldas Baseler Programm als die Aufsätze über das »Certamen«fussen vielfach Wörtlich auf den Niederschriften desJahres 1868—69, wie aus den Entwurf heften erweisbar, undallein die Metrica im Jahre 1870 sind in Basel neu hinzu-gekommen. Und auch hier belehrt uns die Recension überMarquard, dass Nietzsche längst über diese Dinge nach-gedacht : die Philologica im Ganzen erweisen, dass sein be-kanntes Wort über die Nothwendigkeit einer Zurück-datierung seiner Schriften keine Finte war.
Von den zwei Vorlesungen ist die' Einleitung zumOedipus ausgewählt worden, weil sie eine Etappe in derEntstehung des merkwürdigen Buches über die Tragödiedarstellt, vergl. meinen Nachbericht zu Werke Bd. IX,p. 453. Sie ist chronologisch einzureihen vor der »diony-sischen Weltanschauung« (Sommer 1870) ebendas, p. 85 ff.Es ist an sich nicht ohne Interesse, zu sehen, wievielNietzsche vom Katheder herab von seiner Vision desApollinisch - Dionysischen vortrug. Ist es nöthig, zu be-
4 ) Leser des Bandes II werden sich wundem, wie nah Nietzschein seinen Vorlesungen über griechische Literaturgeschichte denReitzenstein’schen Anschauungen ‘gekommen ist, 20 Jahre vorher .