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1072.
Christenthum. — Wer mir in seinem Verhältnisszum Christenthum heute zweideutig wird, dem gebe ichnicht den letzten Finger meiner zwei Hände. Hiergiebt es nur Eine Rechtschaffenheit: ein unbedingtesNein, ein Nein des Willens und der That . . . Wer zeigtmir noch etwas Widerlegteres, etwas von allen höherenWerthgefühlen so endgültig Gerichtetes als das Christen-thum? In ihm die Verführung als Verführung erkanntzu haben, in ihm die grosse Gefahr, den Weg zum Nichts,der sich als Weg zur Gottheit zu geben wusste, diese„ewigen Werthe“ als Verleumder-Werthe erkannt zuhaben •— was anders macht unsern Stolz, unsre Aus-zeichnung vor zwei Jahrtausenden aus? . . .
1073.
Die grossen Fälschungen unter der Herrschaft dermoralischen Werthe: — 1) in der Geschichte (Politikeingerechnet); 2) in der Erkenntnisstheorie; 3) in der Be-urtheilung von Kunst und Künstlern; 4) in der Werth-abschätzung von Mensch und Handlung (von Volk undRasse); 5) in der Psychologie; 6) im Bau der Philo-sophieen („sittliche Weltordnung“ und dergleichen); 7) inder Physiologie, Entwicklungslehre („Vervollkommnung“,„Socialisirung“, „Selektion“).
1074.
Wenn durch Übung in einer langen Geschlechter-kette genug Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht, Mässigung