Druckschrift 
16 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 8 (1911) Der Wille zur Macht : drittes und viertes Buch
Entstehung
Seite
407
Einzelbild herunterladen
 

407

Man hat zwei Denkweisen gegen einander gestellt,wie als ob sie miteinander über die Wahrheit zu streitenhätten: während sie beide nur Sjunptome von Zuständensind, während ihr Kampf das Vorhandensein eines Car-dinal en Lebens-Problems und nicht eines Philosophen-Problems beweist. Wohin gehören wir?

1071.

Christianismi et Buddhismi essentia.Gemeinsam: der Kampf gegen die feindseligen Gefühlediese als Quell des Übels erkannt. DasGlück: nurals innerlich, Indifferenz gegen den Anschein undPrunk des Glücks.

Buddhismus: Loskommen-wollen vom Leben, philo-sophische Klarheit: einem hohen Grade von Geistig-keit entsprungen, mitten aus den höheren Ständen.

Christlichkeit: will im Grunde Dasselbe ( schondie jüdische Kirche ist ein de'cadence-Phänomendes Lebens), aber, gemäss einer tiefen Uncultur,ohne Wissen um Das, was man will; hängenbleibend bei derSeligkeit als Ziel . . .

Die kräftigsten Instinkte des Lebens nicht mehr alslustvoll empfunden, vielmehr als Leidens-Ursachen:

für den Buddhisten: insofern diese Instinkte zumHandeln antreiben (das Handeln aber als Unlustgilt . . .);

für den Christen: insofern sie Anlass zu Feind-schaft und Widerspruch geben (das Feind-sein,das Wehe-thun aber als Unlust, als Störung desSeelen-Friedens gilt).