39 °
und Werth-Ungleichheit von Mensch und Mensch wussten,sich aus ihren dionysischen Erfahrungen zu deuten suchten:hier ist für alles Griechische die grosse Tiefe, das grosseSchweigen, — man kennt die Griechen nicht, solange hier der verborgene unterirdische Zugang nochverschüttet liegt. Zudringliche Gelehrten-Augen werdenniemals etwas in diesen Dingen sehen, so viel Gelehrsam-keit auch im Dienste jener Ausgrabung noch verwendetwerden muss —; selbst der edle Eifer solcher Freundedes Alterthums, wie Goethe’s und Winckelmann’s, hatgerade hier etwas Unerlaubtes, fast Unbescheidenes.Warten und sich-vorbereiten; das Aufspringen neuerQuellen abwarten; in der Einsamkeit sich auf fremdeGesichte und Stimmen vorbereiten; vom Jahrmarkts-Staube und -Lärm dieser Zeit seine Seele immer reinerwaschen; alles Christliche durch ein Überchristlichesüberwinden und nicht nur von sich abthun — denndie christliche Lehre war die Gegenlehre gegen diedionysische —; den Süden in sich wieder entdeckenund einen hellen glänzenden geheimnissvollen Himmeldes Südens über sich aufspannen; die südliche Gesund-heit und verborgene Mächtigkeit der Seele sich wiedererobern; Schritt vor Schritt umfänglicher werden, über-nationaler, europäischer, übereuropäischer, morgenländi-scher, endlich griechischer — denn das Griechische wardie erste grosse Bindung und Synthesis alles Morgen-ländischen und eben damit der Anfang der europäischenSeele, die Entdeckung unsrer „neuen Welt“ —: werunter solchen Imperativen lebt, wer weiss, was Demeines Tages begegnen kann? Vielleicht eben — einneuer Tag!