— 336 —
5) Man muss das künstlerische Grundphänomenverstehen, welches „Leben“ heisst, — den bauendenGeist, der unter den ungünstigsten Umständen baut:auf die langsamste Weise — — — Der Beweis füralle seine Combinationen muss erst neu gegeben werden:es erhält sich.
1047.
Die Geschlechtlichkeit, die Herrschsucht, die Lust amSchein und am Betrügen, die grosse freudige Dankbar-keit für das Leben und seine typischen Zustände — dasist am heidnischen Cultus wesentlich und hat das guteGewissen auf seiner Seite. — Die Unnatur (schon imgriechischen Alterthum) kämpft gegen das Heidnische an,als Moral, Dialektik.
1048.
Eine antimetaphysische Weltbetrachtung — ja, abereine artistische.
1049.
Die Täuschung Apollo’s: die Ewigkeit der
schönen Form; die aristokratische Gesetzgebung „so solles immer sein!“
Dionysos: Sinnlichkeit und Grausamkeit. Die
Vergänglichkeit könnte ausgelegt werden als Genuss derzeugenden und zerstörenden Kraft, als beständigeSchöpfung.
1050.
Mit dem Wort „dionysisch“ ist ausgedrückt: einDrang zur Einheit, ein Hinausgreifen über Person, All-tag, Gesellschaft, Realität, über den Abgrund des Ver-