312
Cultus des Irrthums: er hat den Menschen sozart, tief, erfinderisch gemacht. Die Welt als Irrthumist so bedeutungsreich und wundervoll.
Wir sind von vornherein unlogische und unge-rechte Wesen, — ohne dies giebt es kein Leben.
Alle Ansätze über den Werth des Lebens falsch.
Letzte Ziellosigkeit. Vergeudung.
Allgemeine Verzichtleistung: immer besser er-kennen, über den Schätzungen schweben einzigerTrost.
Resultat: Ich brauche an Nichts zu glauben.
Die Dinge sind unerkennbar.
Ich brauche nicht an meiner Ungerechtigkeitzu leiden.
Verzweiflung durch Skepsis beseitigt.
Ich erwarb mir das Recht zu schaffen, dasRecht gutzuheissen, das Recht mich anzuknüpfenan das Vergangene.
Zuletzt: in dem ganzen Treiben entdeckte ichlebendige Moral, treibende Kraft. Ich hatte nurgewähnt, jenseits von Gut und Böse zu sein.
Die Freigeisterei selber war moralischeHandlung: i. als Redlichkeit,
2. als Tapferkeit,
3. als Gerechtigkeit,
4. als Liebe.
Ich behielt mich übrig als Werth an-setzenden.
Ich that nichts als die bisherige Praxis derMoral zu kritisiren. Das Aufstellen der moralischenUrtheile selber ist ein Stück dieser Praxis.