Der sittliche Geschmack ist eine Sache ohne Gründe, —aber er ist entstanden einmal als Zwang, in Folgevon anderen Trieben, welche ein bestimmtes Ur-theil und Werthschätzen aufnöthigten.
Wo wir unsre Gefühle wegen der Complicirtheit ihrerEntstehung nicht mehr abzuleiten wissen, dasetzen wir sie an als etwas Anderes; so sinddie ästhetischen, ethischen, moralischen, metaphy-sischen Triebe zu verstehen.
Wir erfinden einen Namen und meinen, ihm entsprecheetwas Neues.
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1. Asketischer Versuch, sich von der Moral zu befreien:
warum? — Praktische Consequenz zunächst: sol-datische Armuth, Nähe des Todes. Freigeist.
2. Aber jetzt erkennen wir die Freigeisterei selber als
Moral. Inwiefern? — Alle Empfindungen sindmoralisch gefärbt. Was wir thaten, war eine Cur,ein Mittel zum Leben. Moral erschien als eineExistenzbedingung.
3. Der neue freiere Blick für Moral als Existenz- und
Förderungsbedingung des Lebens.
Heerde — Entwicklung des Ichs. Keine Ver-geltung u. s. w.
4. Versuch eines Standpunktes jenseits von Gut und
Böse.
144.
Asketismus: nur die Vernunft ausbilden.
Sich die kleinen Freuden eingestehn, welchedie Erkenntniss macht, — alle anderen von sichabwehren.