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491 .
Die Liebe zu Jemandem ist an sich so wenig - (undso viel) werthvoll als der Hass oder die Rache. Es giebtin der Liebe so viel Blindheit der Hingebung, so vielNoth und Nöthigung, nämlich durch das Unbehagen imEntbehren der anderen Person, so viel Sclaven-Sinn (imErtragen aller Art von schlechter Behandlung) — es giebtetwas so Verderbliches und Verderbendes in der Liebe,dass die geliebte Person meistens an Geist und Kraftund Vorsicht durch das Geliebt-werden heruntergeht.
492.
„Bedarf die Liebe der Unruhe und Ängste? ist ihrdie Eifersucht als Dünger nöthig? strebt sie sanft in diereine und friedliche Luft der Träume? — Im anderenFalle wäre ein geschickter und desinteressirter Egois-mus die erste der Tugenden, le plus raisonnahle desdevoirs —“
493 -
Die Abnahme der Anmuth. — Zu den Sympto-men der allgemeinen Verhässlichung, wie sie einemZeitalter gemäss ist, das den Pöbel immer mehr zumHerrn macht und wo pöbelhafte Gebärden des Leibesund Geistes überall schon Hausrecht erlangt haben, ge-hört nicht am wenigsten das wachsende Sich-gehen-lassenund eine Art „Rückkehr zur Natur“ (d. h. zum Pöbel),auch an Orten, an denen man früher auf vornehme undstrenge Gewohnheiten wie auf sein Vorrecht hielt: anden Höfen sowohl als bei den liebenswürdigsten Frauen: