Druckschrift 
14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132

Vorgänge des Leibes geben: alle seelische Schönheit istnur ein Gleichniss und etwas Oberflächliches gegendiese Menge von tiefen Harmonien.

263.

Seit Kant ist alles Reden von Kunst, Schönheit, Er-kenntniss, Weisheit vermanscht und beschmutzt durchden Begriffohne Interesse.

Mir gilt als schön (historisch betrachtet): was anden verehrtesten Menschen einer Zeit sichtbar wird, alsAusdruck des Verehrungs-Würdigsten.

264.

Vom Ursprung der Kunst. Die Fähigkeit, zulügen und sich zu verstellen, am längsten entwickelt: Ge-fühl der Sicherheit und der geistigen Überlegenheitdabei beim Täuschenden. Bewunderung des Zuhörers:beim Erzähler, wie als ob er dabei gewesen wäre. Eben-so Sicherheit des Zuhörers, zu wissen, dass es Täuschungist und dass diese gefährliche Kunst nicht zu seinemSchaden geübt wird. Bewunderung übermenschlicherBeihülfe. Beim Dichter häufig Entfremdung seinerPerson: er fühlt sichverwandelt. Ebenso beim Tänzerund Schauspieler, mit nervösen Krisen, Hallucinationen u. s. w.Künstler auch jetzt noch lügenhaft und gleich Kindern.Unfähigkeit, zwischenwahr undSchein zu scheiden.

265.

Der Schauspieler hat das Gefühl nicht, das er dar-stellt. Er wäre verloren, wenn er es hätte.