3. Kunst und Künstler.
a) Entstehung der Kunst.
261.
Das Stille-werden vor dem Schönen ist ein tiefesErwarten, ein Hören-wollen auf die feinsten, fernstenTöne, •— wir benehmen uns einem Menschen ähnlich,der ganz Ohr und Auge wird: die Schönheit hat uns Etwaszu sagen, deshalb werden wir stille und denken anNichts, an was wir sonst denken. Die Stille, jenesBeschauliche, Geduldige ist also eine Vorbereitung,nicht Mehr! So steht es mit aller „Contemplation“.
Aber die Ruhe darin, das Wohlgefühl, dieFreiheit von Spannung? Offenbar findet ein sehrgleichmässiges Ausströmen von unserer Kraft da-bei statt: wir passen uns dabei gleichsam den hohenSäulengängen an, in denen wir gehen, und gebenunsrer Seele solche Bewegungen, welche durch Ruheund Anmuth Nachahmungen Dessen sind, was wirsehen. So wie uns eine edle Gesellschaft Inspiration zuedlen Gebärden giebt. (Zuerst Assimilation an das Werk,später Assimilation an dessen Schöpfer, der nur inZeichen redete!)
262.
Bei der Schönheit bleibt das Auge an der Oberflächestehn. Aber es muss Schönheit noch in jedem inneren
9