Druckschrift 
14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

12 I

Alle natürlichen schlimmen Folgen einer Gesetzes-übertretung werden nie in Hinsicht auf diese Natürlichkeitin Betracht gezogen: sondern die schlimme Folge isteine übernatürliche Strafe, für die Nicht-Befolgungeiner Vorschrift.

2 55 -

Transfiguration der natürlichen Folgen einer Hand-lung: Es giebt keine natürlichen Folgen mehr: sondernder Ungehorsam wird bestraft, und die Tugend wirdbelohnt. Das Glück, das lange Leben, die Nachkommen-schaft alles sind Folgen der Tugend, vermittelt durchdie ewige Ordnung der Dinge. Die Unreinlichkeitz. B. wird verboten, nicht weil ihre Folgen der Gesund-heit schaden, sondern: weil sie verboten ist, schadetsie der Gesundheit . . .

Also, principiell: die natürliche Folge einer Hand-lung wird dargestellt als Lohn oder Strafe, jenachdemEtwas geboten oder verboten ist. Dazu ist nöthig, dassdie .grösste Menge der Strafen die nicht natürlichen sind,sondern übernatürliche, jenseitige, bloss zukünftige . . .

Also, principiell: jeder Nachtheil, jedes Unglück istBeweis von Verschuldung: selbst jede niedrige Existenz-form (der Thiere z. B.).

Die Welt ist vollkommen: vorausgesetzt dass demGesetz Genüge geschieht. Die ganze Unvollkommen-heit kommt vom Ungehorsam gegen das Gesetz.

Die oberste Kaste hat, als die vollkommene, auchdas Glück darzustellen: deshalb ist nichts unangemessener,als der Pessimismus und die Entrüstung . . . KeinZorn, keine Entgegnung im Schlimmen, die Askese