Stoicismus wäre in einer moralistisch aufgeklärtenWelt gar nicht möglich gewesen. — Jedes Wort vonBalthasar Gracian oder La Rochefoucauld oder Pascalhat den ganzen griechischen Geschmack gegen sich.
Sie schimpfen und lassen sich’s dabei wohl sein(Homer’s, Sophokles’, Epikur’s Pessimismus — das „Aus-weichen“ als „göttlich“ empfunden).
Also: sie leiden im höchsten Grade, aber sie reagirendagegen mit umso höherem Selbstgenuss im Schaffenund auch im Reden von Dingen, die wohlthun. Es istdas für Schmerz empfindlichste Volk, aber ihre plastischeKraft in der Benutzung des Schmerzes ist ausserordent-lich: dazu gehört auch eine Mässigung in der Racheam Schmerz, im Wühlen im Schmerz: eine Nöthigungzur siegreichen Attitüde, als Cur. Folglich sind siegeneigt, unredlich zu sein gegen das Leiden: und soist „ihr Gemüth“ weniger sichtbar geworden, umso mehrdie überwindenden Affecte, die helle Geistigkeit unddie Tapferkeit. Die Schmähsucht nöthigte, die Leiden-schaften zu verbergen.
Ihre Schwäche deutet auf ihre Stärke hin. Es sindSchauspieler: Wollen und Sein fällt zusammen für ihrenIntellect. Fva&i asavrov, — aber nicht die Menschen.
Thukydides als höchstes Beispiel des Beiseite-Tretensvon der nationalen Abneigung gegen die anatomischeBehandlung.
In der Zeit der höchsten Productivität an Gestalten,Gegensätzen (wie dionysisch ■—■ apollinisch) fehlt nochdie Reflexion: die Thatsachen stehn da.
Widerwille gegen das Exacte. Poesie viel höherals Geschichte: jene behandle den Menschen im Allge-meinen, diese seine Einzelheiten. Darum Poesie mehrgeeignet den Menschen kennen zu lernen.