Druckschrift 
14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

schieben den thatsächlichen Verstimmungen des Leibeseine falsche Begründung unter, indem sie im Um-kreise ihrer unangenehmen Erfahrungen und Befürch-tungen einen Grund herausholen, sich dermaassen schlechtzu befinden. Auf der Folter bekennt sich fast Jedermannschuldig; bei dem Schmerz, dessen physische Ursacheman nicht weiss, fragt sich der Gefolterte so lange undso inquisitorisch selbst, bis er sich oder Andere schuldigfindet: wie es zum Beispiel der Puritaner that, wel-cher den einer unvernünftigen Lebensweise anhaftendenSpleen sich gewohnheitsmässig moralisch auslegte, näm-lich als Biss seines eigenen Gewissens.

So.

Es giebt keine unmittelbaren Thatsachen! Es stehtmit Gefühlen und Gedanken ebenso: indem ich mirihrer bewusst werde, mache ich einen Auszug, eineVereinfachung, einen Versuch der Gestaltung: das ebenist bewusst-werden: ein ganz actives Zurechtmachen.Woher weisst du das? Wir sind uns bewusst derArbeit, wenn wir einen Gedanken, ein Gefühl scharffassen wollen mit Hülfe von Vergleichung (Ge-dächtniss).

Ein Gedanke und ein Gefühl sind Zeichen irgendwelcher Vorgänge: nehme ich sie absolut setze ichsie als unvermeidlich eindeutig, so setze ich zugleich dieMenschen als intellectuell gleich, eine zeitweilig er-laubte Vereinfachung des wahren Thatbestandes.

81.

Ein logischer Vorgang, von der Art, wie erimBuche steht, kommt nie vor, so wenig als eine gerade