l 7
an der „erkannten Wahrheit“ nicht zu „verbluten“. Manmuss in dieser höchsten Gefahr sofort die schöpferischenGrund-Instincte des Menschen heraufrufen, welche stärkersind, als alle Werthgefühle: die, welche die Mütter derWerthgefühle selber sind und im ewigen Gebären überdas ewige Untergehn ihrer Kinder ihre erhabene Tröstunggeniessen. Und zuletzt: welche Gewalt war es denn,welche uns zwang, jenem „Glauben an die Wahrheit“abzuschwören, wenn es nicht das Leben selber warund alle seine schöpferischen Grund-Instincte? — sodasswir also es nicht nöthig haben, diese „Mütter“ herauf-zubeschwören: — sie sind schon oben, ihre Augen blickenuns an, wir vollführen eben, wozu deren Zauber uns über-redet hat.
25 -
Wir wollen doch ja uns die Vortheile nicht entgehnlassen, die es hat, das Meiste nicht zu wissen und ineinem kleinen Welt-Winkel zu leben. Der Mensch darfNarr sein, — er darf sich auch Gott fühlen, es ist EineMöglichkeit unter so vielen!
2 6.
Wille zur Wahrheit und Gewissheit entspringt ausFurcht in der Ungewissheit.
27 -
Wir sind die Erben der unvollkommnen, schlechtenArt, der längsten Art zu beobachten und zu schliessen.Unsere gründlichsten und einverleibtesten Begriffe wer-
Nietzsche, Werke II. Abtheilung, Bd. XIV.
2