Spinoza: Wenn Alles im letzten Grunde vermögeder göttlichen Macht geschieht, so ist Alles in seiner Artvollkommen, so giebt es kein Übel in der Natur derDinge. Ist der Mensch durchgängig unfrei, so giebt eskein Böses in der Natur des menschlichen Willens; sosind die Übel und das Böse nicht in den Dingen, sondernnur in der Einbildung des Menschen.
In Gott fehlt Wille und Verstand und Persönlichkeitund Zweck. Spinoza wehrt sich gegen Die, welche sagen,Gott wirke Alles sub ratione boni. „Diese scheinen Etwasausserhalb Gottes anzunehmen, das von Gott nicht ab-hängig ist, worauf er sich wie auf ein Musterbild in seinemHandeln richtet oder wohin er wie nach einem Ziele trach-tet. Das heisst fürwahr Gott dem Schicksale unterwerfen: wasdie grösste Ungereimtheit ist.“ Eth. IProp. XXXIII Schol. 2.
Der letzte Grund jeder Begebenheit „Gott hat siegewollt“ Asylum ignorantiae. Der Wille Gottes aberist dem Menschen undurchdringlich. „Bei dieser Denk-weise würde die Wahrheit dem Menschen in alle Ewig-keit verborgen geblieben sein, wenn nicht die Mathe-matik (die sich nicht mit Zwecken, sondern lediglich mitder Natur und den Eigenschaften der Grösse beschäftigt)dem Menschen eine andre Richtschnur der Wahr-heit vorgehalten hätte.“
Descartes sagt „ich habe Vieles für wahr gehalten,dessen Irrthum ich jetzt einsehe“. Spinoza „ich habeVieles für gut gehalten, von dem ich jetzt einsehe, dasses eitel und werthlos ist“. „Wenn es ein echtes und un-verlierbares Gut giebt, so ist die Befriedigung daranebenso dauernd und unzerstörbar, so ist meine Freudeewig.“ — (Psychologischer Fehlschluss: als ob dieDauerhaftigkeit eines Dinges die Dauerhaftigkeit derAffection verbürgte, die ich zu ihm habe!)