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Ist unmittelbare Gewissheit nicht vielleicht eine contra-dictio in adjecto? Was ist Erkennen im Verhältniss zumSein? Für Den, welcher auf alle diese Fragen schonfertige Glaubenssätze mitbringt, hat aber die Cartesiani-sche Vorsicht gar keinen Sinn mehr: sie kommt viel zuspät. Vor der Frage nach dem „Sein“ müsste die Fragevom Werth der Logik entschieden sein.
Die Physiker sind jetzt mit allen Metaphysikern dar-über einmüthig, dass wir in einer Welt der Täuschungleben: glücklich, dass man nicht mehr nöthig hat, darübermit einem Gotte abzurechnen, über dessen „Wahrhaftig-keit“ man zu seltsamen Gedanken kommen könnte. DasPerspectivische der Welt geht so tief, als heute unser„Verständniss“ der Welt reicht; und ich würde es wagen,es noch dort anzusetzen, wo der Mensch billigerweiseüberhaupt von Verstehen absehn darf, — ich meinedort, wo die Metaphysiker das Reich des anscheinendSich-selbst-Gewissen, Sich-selber-Verständlichen ansetzen:im Denken. Dass die Zahl eine perspectivische Formist, so gut als Zeit und Raum, dass wir so wenig „EineSeele“ als „zwei Seelen“ in einer Brust beherbergen,dass die „Individuen“ sich wie die materiellen „Atome“nicht mehr halten lassen, ausser für den Hand- und Haus-gebrauch des Denkers, und sich in ein Nichts verflüch-tigt haben (oder in eine „Formel“), dass nichts Leben-diges und Todtes zusammenaddirt werden kann, dassbeide Begriffe falsch sind, dass es nicht drei Vermögender Seele giebt, dass „Subject und Object“, „Activum undPassivum“, „Ursache und Wirkung“, „Mittel und Zweck“immer nur perspectivische Formen sind, in summa dass