Seien wir vorsichtiger als Cartesius, welcher in demFallstrick der Worte hängen blieb. Cogito ist freilich nurEin Wort: aber es bedeutet etwas Vielfaches (— Manchesist vielfach, und wir greifen derb darauf los, im gutenGlauben, dass es Eins sei). In jenem berühmten cogitosteckt i) es denkt, 2) ich glaube, dass ich es bin, derda denkt, 3) aber auch angenommen, dass dieser zweitePunkt in der Schwebe bliebe, als Sache des Glaubens,so enthält auch jenes erste „es denkt“ noch einenGlauben: nämlich, dass „denken“ eine Thätigkeit sei, zuder ein Subject, zum Mindesten ein „es“ gedacht wer-den müsse: und weiter bedeutet das ergo sum nichts!Aber das ist der Glaube an die Grammatik, da werdenschon „Dinge“ und deren „Thätigkeiten“ gesetzt, undwir sind fern von der unmittelbaren Gewissheit. Lassenwir also auch jenes problematische „es“ weg und sagenwir cogitatur als Thatbestand ohne eingemischte Glaubens-artikel: so täuschen wir uns noch einmal, denn auch diepassivische Form enthält Glaubenssätze und nicht nur„Thatbestände“: in summa, gerade der Thatbestand lässtsich nicht nackt hinstellen, das „Glauben“ und „Meinen“steckt in cogito oder cogitat und cogitatur: wer verbürgtuns, dass wir mit ergo nicht etwas von diesem Glaubenund Meinen herausziehn und dass übrig bleibt: es wirdetwas geglaubt, folglich wird etwas geglaubt, — einefalsche Schlussform! Zuletzt müsste man immer schonwissen, was „sein“ ist, um ein sum aus dem cogito her-auszuziehn; man müsste ebenso schon wissen, was wissenist: man geht vom Glauben an die Logik — an das ergovor Allem! — aus, und nicht nur von der Hinstellungeines Factums! — Ist „Gewissheit“ möglich im Wissen?
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14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
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