Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 

487

ihre Vorfahren ein langes vorbereitendes Leben auf diesesZiel hin, und' nicht einmal im Wissen um dieses Ziel,gelebt haben. Dann wohnt ein überströmender Reich-thum vielfältigster Kräfte und zugleich die behendesteMacht einesfreien Wollens und herrschaftlichen Ver-fügens in Einem Menschen liebreich bei einander; derGeist ist dann ebenso in den Sinnen heimisch und zuHause, wie die Sinne in dem Geiste zu Hause und heimischsind; und Alles, was nur in diesem sich abspielt, mussauch in jenen ein feines ausserordentliches Glück undSpiel auslösen. Und ebenfalls umgekehrt! man denkeüber diese Umkehrung bei Gelegenheit von Hafis nach;selbst Goethe, wie sehr auch schon im abgeschwächtenBilde, giebt von diesem Vorgänge eine Ahnung. Es istwahrscheinlich, dass bei solchen vollkommenen und wohl-gerathenen Menschen zuletzt die allersinnlichsten Ver-richtungen von einem Gleichniss-Rausche der höchstenGeistigkeit verklärt werden; sie empfinden an sich eineArt Vergöttlichung des Leibes und sind am ent-fe rntesten v on der Asketen-Philosophie des SatzesGottist._ein.._Geist: wobei sich klar herausstellt, dass derAsket dermissrathene Mensch ist, welcher nur einEt was an sich. und gerade das richtende und verur-theilende Etwas, gut heisst undGott heisst. Vonjener Höhe der Freude, wonder Mensch sich selber undsich ganz und gar als eine vergöttlichte Form und Selbst-Rechtfertigung der. Natur fühlt, bis hinab zu der Freudegesunder Bauern und gesunder Halbmensch-Thiere: dieseganze lange ungeheure Licht- und Farbenleiter des Glücksnannte der Grieche, nicht ohne die dankbaren SchauderDessen, der in ein Geheimniss eingeweiht ist, nicht ohneviele Vorsicht und fromme Schweigsamkeit mit demGötternamen: Dionysos.' Was wissen denn alle