Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
481
Einzelbild herunterladen
 

481

Erst wenn eine Cultur über einen Überschuss vonKräften zu gebieten hat, kann sie auch ein Treibhausfür den Luxus-Cultus der Ausnahme, des Versuchs, derGefahr, der Nuance sein: jede aristokratische Culturtendirt dahin.

Menschen mittelmässig? Dass er nicht die Kehr-seite der Dinge als nothwendig versteht: dass er dieÜbelstände bekämpft, wie als ob man ihrer entrathenkönne; dass er das Eine nicht mit dem Anderen hin-nehmen will, dass er den typischen Charaktereines Dinges, eines Zustandes, einer Zeit, einer Personverwischen und auslöschen möchte, indem er nur einenTheil ihrer Eigenschaften gutheisst und die andern ab-schaffen möchte. DieWünschbarkeit der Mittel-mässigen ist Das, was von uns Anderen bekämpft wird:das Ideal gefasst als Etwas, an dem nichts Schädliches,Böses, Gefährliches, Fragwürdiges, Vernichtendes übrigbleiben soll. Unsere Einsicht ist die umgekehrte: dassmit jedem Wachsthum des Menschen auch seine Kehr-seite wachsen muss, dass der höchste Mensch, gesetztdass ein solcher Begriff erlaubt ist, der Mensch wäre,welcher den Gegensatz-Charakter des Daseins amstärksten darstellte, als dessen Glorie und einzige Recht-fertigung . . . Die gewöhnlichen Menschen dürfen nurein ganz kleines Eckchen und Winkelchen dieses Natur-charakters darstellen: sie gehen alsbald zu Grunde, wenndie Vielfachheit der Elemente und die Spannung derGegensätze wächst, d. h. die Vor be dingung für dieGrösse des Menschen. Dass der Mensch besser und

475 -

Zur Rangordnung. Was) ist am typischen

Nietzsche, Werke II. Abtheilung. Wille zur Macht.