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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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274
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Dass eine Menge Glauben da sein muss; dass ge-urtheilt werden darf; dass der Zweifel in Hinsicht aufalle wesentlichen Werthe fehlt: das ist Voraussetzungalles Lebendigen und seines Lebens. Also dass Etwas fürwahr gehalten werden muss, ist nothwendig, nicht,dass Etwas wahr ist.

Die wahre und die scheinbare Welt dieserGegensatz wird von mir zurückgeführt auf Werthver-hältnisse. Wir haben unsere Erhaltungs-Bedingungenprojicirt als Prädicate des Seins überhaupt. Dass wirin unserm Glauben stabil sein müssen, um zu gedeihen,daraus haben wir gemacht, dass diewahre Welt keinewandelbare und werdende, sondern eine seiende ist.

269.

Eine Moral, eine durch lange Erfahrung und Prüfungerprobte, bewiesene Lebensweise kommt zuletzt alsGesetz zum Bewusstsein, als dominirend . . . Und da-mit tritt die ganze Gruppe verwandter Werthe und Zu-stände in sie hinein: sie wird ehrwürdig, unangreifbar,heilig, wahrhaft; es gehört zu ihrer Entwicklung, dassihre Herkunft vergessen wird ... Es ist ein Zeichen,dass sie Herr geworden ist . . .

Ganz Dasselbe könnte geschehen sein mit den Kate-gorien der Vernunft: dieselben könnten, unter vielemTasten und Herumgreifen, sich bewährt haben durchrelative Nützlichkeit ... Es kam ein Punkt, wo mansie zusammenfasste, sich als Ganzes zum Bewusstseinbrachte, und wo man sie befahl, d. h. wo siewirkten als befehlend . . . Von jetzt ab galten sie alsa priori, als jenseits der Erfahrung, als unabweisbar.Und doch drücken sie vielleicht Nichts aus, als eine