Gewöhnlich nimmt man das Bewusstsein selbstals Gesammt-Sensorium und oberste Instanz; indessen, esist nur ein Mittel der Mittheilbarkeit: es ist im Ver-kehr entwickelt, und in Hinsicht auf Verkehrs-Interessen...„Verkehr“ hier verstanden auch von den Einwirkungender Aussenwelt und den unsererseits dabei nöthigenReactionen; ebenso wie von unseren Wirkungen nachAussen. Es ist nicht die Leitung, sondern ein Organder Leitung. —
267.
Dass zwischen Subject und Object eine Art adä-quater Relation stattfinde; dass das Object Etwas ist, dasvon Innen gesehen Subject wäre, ist eine gutmüthigeErfindung, die, wie ich denke, ihre Zeit gehabt hat. DasMaass Dessen, was uns überhaupt bewusst wird, ist jaganz und gar abhängig von der groben Nützlichkeit desBewusstwerdens: wie erlaubte uns diese Wink eiperspectivedes Bewusstseins irgendwie über „Subject“ und „Object“Aussagen, mit denen die Realität berührt würde! —
268.
Die Werthschätzung: „ich glaube, dass das unddas so ist“, als Wesen der „Wahrheit“. In denWerthschätzungen drücken sich Erhaltungs- undWachsthums - Bedingungen aus. Alle unsre Er-kenntnissorgane und Sinne sind nur entwickelt inHinsicht auf Erhaltungs- und Wachsthums-Bedingungen.Das Vertrauen zur Vernunft und ihren Kategorien, zurDialektik, also die Werthschätzung der Logik beweistnur die durch Erfahrung bewiesene Nützlichkeitderselben für das Leben: nicht deren „Wahrheit“.
Nietzsche, Werke II. Abtheilung. Wille zur Macht, jg