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„Seelen“ gleich: aber das ist gerade die gefährlichstealler möglichen Werthschätzungen! Setzt man die Ein-zelnen gleich, so stellt man die Gattung in Frage, sobegünstigt man eine Praxis, welche auf den Ruin derGattung hinausläuft: das Christenthum ist das Gegen-princip gegen die Selection. Wenn der Entartendeund Kranke („der Christ“) so viel Werth haben soll wieder Gesunde („der Heide“), oder gar noch mehr, nachPascal’s Urtheil über Krankheit und Gesundheit, so istder natürliche Gang der Entwicklung gekreuzt und dieUnnatur zum Gesetz gemacht . . . Diese allgemeineMenschenliebe ist in praxi die Bevorzugung allesLeidenden, Schlechtweggekommenen, Degenerirten: siehat thatsächlich die Kraft, die Verantwortlichkeit, diehohe Pflicht, Menschen zu opfern, heruntergebracht undabgeschwächt. Es blieb nach dem Schema des christ-lichen Werthmaasses nur noch übrig, sich selbst zu opfern:aber dieser Rest von Menschenopfer, den das Christen-thum concedirte und selbst anrieth, hat, vom Standpunkteder Gesammt-Züchtung aus, gar keinen Sinn. Es ist fürdas Gedeihen der Gattung gleichgültig, ob irgend welcheEinzelne sich selbst opfern (— sei es in mönchischer undasketischer Manier oder, mit Hülfe von Kreuzen, Scheiter-haufen und Schaffotten, als „Märtyrer“ des Irrthums).Die Gattung braucht den Untergang der Missrathenen,Schwachen, Degenerirten: aber gerade an sie wendetesich das Christenthum, als conservirende Gewalt; siesteigerte noch jenen an sich schon so mächtigen Instinctder Schwachen, sich zu schonen, sich zu erhalten, sichgegenseitig zu halten. Was ist die „Tugend“ und„Menschenliebe“ im Christenthum, wenn nicht eben dieseGegenseitigkeit der Erhaltung, diese Solidarität derSchwachen, diese Verhinderung der Selection? Was ist