„Worten“ des Stifters des Christenthums, aber in einerabsolut willkürlichen Interpretation nach dem Schemagrundverschiedener Bedürfnisse: übersetzt in dieSprache aller schon bestehenden unterirdischen Re-ligionen —
Es ist die Heraufkunft des Pessimismus (— währendJesus den Frieden und das Glück der Lämmer bringenwollte): und zwar des Pessimismus der Schwachen, derUnterlegenen, der Leidenden, der Unterdrückten.
Ihr Todfeind ist i) die Macht im Charakter, Geistund Geschmack; die „Weltlichkeit“; 2) das classische„Glück“, die vornehme Leichtfertigkeit und Skepsis, derharte Stolz, die excentrische Ausschweifung und diekühle Selbstgenügsamkeit des Weisen, das griechischeRaffinement in Gebärde, Wort und Form. Ihr Todfeindist der Römer ebensosehr als der Grieche.
Versuch des Antiheidenthums, sich philosophischzu begründen und möglich zu machen: Witterung fürdie zweideutigen Figuren der alten Cultur, vor Allemfür Plato, diesen Antihellenen und Semiten von In-stinct . . . Insgleichen für den Stoicismus, der wesentlichdas Werk von Semiten ist (— die „Würde“ als Strenge,Gesetz, die Tugend als Grösse, Selbstverantwortung, alshöchste Personal-Souveränetät — das ist semitisch. DerStoiker ist ein arabischer Scheich in griechische Windelnund Begriffe gewickelt).
Ui-
Kein Gott für unsere Sünden gestorben; keine Er-lösung durch den Glauben; keine Wiederauferstehungnach dem Tode — das sind alles Falschmünzereien deseigentlichen Christenthums, für die man jenen Unheil-
Nietzsche, Werke II. Abtheilung. Wille zur Macht.
9