Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128

Verbindung mit jenem Opfer zu bringen (nach demTypus des Dionysos, Mithras, Osiris).

Er hat nöthig, den Begriff Schuld und Sündein den Vordergrund zu bringen, nicht eine neuePraxis (wie sie Jesus selbst zeigte und lehrte), sonderneinen neuen Cultus, einen neuen Glauben, einen Glaubenan eine wundergleiche Verwandlung (Erlösung" durchden Glauben).

Er hat das grosse Bediirfniss der heidnischenWelt verstanden und aus den Thatsachen vom Lebenund Tode Christi eine vollkommen willkürliche Auswahlgemacht, Alles neu accentuirt, überall das Schwergewichtverlegt ... er hat principiell das ursprüngliche Christen-thum annullirt . . .

Das Attentat auf Priester und Theologen mündete,Dank dem Paulus, in eine neue Priesterschaft und Theologie einen herrschenden Stand, auch eine Kirche.

Das Attentat auf die übermässige WichtigthuereiderPerson mündete in den Glauben an dieewigePerson (in die Sorge umsewige Heil . . . ), in dieparadoxeste Übertreibung des Personal-Egoismus.

Das ist der Humor der Sache, ein tragischer Humor:Paulus hat gerade Das im grossen Stile wieder aufge-richtet, was Christus durch sein Leben annullirt hatte.Endlich, als die Kirche fertig ist, nimmt sie sogar dasStaats-Dasein unter ihre Sanction.

130.

DasChristenthum ist etwas Grundverschiedenesvon Dem geworden, was sein Stifter that und wollte.Es ist die grosse antiheidnische Bewegung des Alter-thums, formulirt mit Benützung von Leben, Lehre und