drücken und schüchterne, linkische Gebärden mit einemunsinnigen Selbstgefühl verbinden.
Das neue Testament ist das Evangelium einer gänz-lich unvornehmen Art Mensch; ihr Anspruch, mehrWerth zu haben, ja allen Werth zu haben, hat in derThat etwas Empörendes, — auch heute noch.
128.
Das Christenthum nimmt den Kampf nur auf, derschon gegen das classische Ideal, gegen die vornehmeReligion bestand.
Thatsächlich ist diese ganze Umbildung eine Über-setzung in die Bedürfnisse und das Verständniss-Niveauder damaligen religiösen Masse: jener Masse, welchean Isis, Mithras, Dionysos, die „grosse Mutter“ glaubteund welche von einer Religion verlangte: 1) die Jenseits-Hoffnung, 2) die blutige Phantasmagorie des Opferthiers(das Mysterium), 3) die erlösende That, die heiligeLegende, 4) den Asketismus, die Weltverneinung, dieabergläubische „Reinigung“, 5) eine Hierarchie, eineForm der Gemeindebildung. Kurz: das Christenthumpasst sich an das schon bestehende überall eingewachseneAnti-Heidenthum an, an die Culte, welche von Epikurbekämpft worden sind . . . genauer, an die Religionender niederen Masse, der Frauen, der Sclaven, dernicht-vornehmen Stände.
Wir haben also als Missverständniss:
1) die Unsterblichkeit der Person;
2) die angebliche andere Welt;
3) die Absurdität des Strafbegriffs und Sühnebegriffsim Centrum der Daseins-Interpretation;