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Die angebliche Jugend. — Man betrügt sich,wenn man hier von einem naiven und jungen Volks-Dasein träumt, das sich gegen eine alte Cultur abhebt;es geht der Aberglaube, als ob in diesen Schichten desniedersten Volkes, wo das Christenthum wuchs undWurzeln schlug, die tiefere Quelle des Lebens wiederemporgesprudelt sei: man versteht Nichts von der Psycho-logie der Christlichkeit, wenn man sie als Ausdruckeiner neu herauf kommenden Volks-Jugend und Rassen-Verstärkung nimmt. Vielmehr: es ist eine typische de-cadence-^ orm, die Moral-Verzärtlichung und Hysterie ineiner müde und ziellos gewordenen, krankhaften Misch-masch-Bevölkerung. Diese wunderliche Gesellschaft,welche hier um diesen Meister der Volks-Verführungsich zusammenfand, gehört eigentlich sammt und sondersin einen russischen Roman: alle Nervenkrankheiten gebensich bei ihnen ein Rendezvous . . . die Abwesenheit vonAufgaben, der Instinct, dass Alles eigentlich am Endesei, dass sich Nichts mehr lohne, die Zufriedenheit ineinem dolce far niente.
Die Macht und Zukunfts-Gewissheit des jüdischenInstincts, das Ungeheure seines zähen Willens zu Daseinund Macht liegt in seiner herrschenden Classe; dieSchichten, welche das junge Christenthum emporhebt,sind durch Nichts schärfer gezeichnet, als durch dieInstinct-Ermüdung. Man hat es satt: das ist das Eine— und man ist zufrieden, bei sich, in sich, für sich —das ist das Andere.