I IO
Gerichtshöfe, die Selbstvertheidigung und Vertheidigungirgend eines Ganzen, den Unterschied zwischen Volks-genossen und Fremden; insgleichen die Ständeordnung.
Das Vorbild Christi: er widerstrebt nicht Denen,die ihm Übles thun; er vertheidigt sich nicht; er thutmehr: er „reicht die linke Wange“ (auf die Frage „bistdu Christus?“ antwortet er „und von nun an werdet ihrsehen des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraftund kommen in den Wolken des Himmels“). Er ver-bietet, dass seine Jünger ihn vertheidigen; er macht auf-merksam, dass er Hülfe haben könnte, aber nicht will.
Das Christenthum ist auch Abolition der Gesell-schaft: es bevorzugt alles von ihr Geringgeschätzte, eswächst heraus aus den Verrufenen und Verurtheilten,den Aussätzigen jeder Art, den „Sündern“, den „Zöllnern“,den Prostituirten, dem dümmsten Volk (den „Fischern“);es verschmäht die Reichen, die Gelehrten, die Vornehmen,die Tugendhaften, die „Correcten“ . . .
106.
Zum psychologischen Problem des Christen-thums. — Die treibende Kraft bleibt: das Ressen-timent, der Volksaufstand, der Aufstand der Schlecht-weggekommenen. (Mit dem Buddhismus steht es anders:er ist nicht geboren aus einer Ressentiments-Bewegung. Er bekämpft dasselbe, weil es zum Handelnantreibt.)
Diese Friedenspartei begreift, dass Verzichtleistungauf Feindseligkeit in Gedanken und That eineUnterscheidungs- und Erhaltungsbedingung ist. Hierinliegt die psychologische Schwierigkeit, welche verhinderthat, dass man das Christenthum verstand: der Trieb, der