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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
108
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Das Christenthum ist jeden Augenblick noch mög-lich ... Es ist an keines der unverschämten Dogmengebunden, welche sich mit seinem Namen geschmückthaben: es braucht weder die Lehre vom persönlichenGott, noch von der Sünde, noch von der Unsterb-lichkeit, noch von der Erlösung, noch vom Glauben;es hat schlechterdings keine Metaphysik nöthig, nochweniger den Asketismus, noch weniger eine christlicheNaturwissenschaft . . .

Wer jetzt sagteich will nicht Soldat sein,ichkümmere mich nicht um die Gerichte,die Dienste derPolizei werden von mir nicht in Anspruch genommen,ich will Nichts thun, was den Frieden in mir selbststört: und wenn ich daran leiden muss, Nichts wird mehrmir den Frieden erhalten als Leiden . . der wäre

Christ.

Die ganze christliche Lehre von Dem, was geglaubtwerden soll, die ganze christlicheWahrheit ist eitelLug und Trug: und genau das Gegenstück von Dem,was der Anfang der christlichen Bewegung gegeben hat.

Das gerade, was im kirchlichen Sinne das Christ-liche ist, ist das Antichristliche von Vornherein: lauterSachen und Personen statt der Symbole, lauter Historiestatt der ewigen Thatsachen, lauter Formeln, Riten,Dogmen statt einer Praxis des Lebens. Christlich ist dievollkommene Gleichgültigkeit gegen Dogmen, Cultus,Priester, Kirche, Theologie.

Die Praxis des Christenthums ist keine Phantasterei,so wenig die Praxis des Buddhismus sie ist: sie ist einMittel, glücklich zu sein . . .