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Die heilige Lüge hat also einen strafenden undbelohnenden Gott erfunden, der exact das Gesetzbuchder Priester anerkennt und exact sie als seine Mund-stücke und Bevollmächtigten in die Welt schickt; — einJenseits des Lebens, in dem die grosse Straf-Maschineerst wirksam gedacht wird, — zu diesem Zwecke dieUnsterblichkeit der Seele; — das Gewissen imMenschen, als das Bewusstsein davon, dass Gut undBöse feststeht, — dass Gott selbst hier redet, wenn esdie Conformität mit der priesterlichen Vorschrift anräth;— die Moral als Leugnung alles natürlichen Verlaufs,als Reduction alles Geschehens auf ein moralisch-bedingtesGeschehen, die Moralwirkung (d. h. die Straf- und Lohn-Idee) als die Welt durchdringend, als einzige Gewalt, alscreator von allem Wechsel; — die Wahrheit als gegeben,als geoffenbart, als zusammenfallend mit der Lehre derPriester: als Bedingung alles Heils und Glücks in diesemund jenem Leben.
In siimma: womit ist die moralische Besserungbezahlt? — Aushängung der Vernunft, Reduction allerMotive auf Furcht und Hoffnung (Strafe und Lohn);Abhängigkeit von einer priesterlichen Vormundschaft,von einer Formalien-Genauigkeit, welche den Anspruchmacht, einen göttlichen Willen auszudrücken; die Ein-pflanzung eines „Gewissens“, welches ein falsches Wissenan Stelle der Prüfung und des Versuchs setzt: wie als obes bereits feststünde, was zu thun und was zu lassenwäre, — eine Art Castration des suchenden und vorwärts-strebenden Geistes; — in stimma: die ärgste Verstüm-melung des Menschen, die man sich vorstellen kann,angeblich als der „gute Mensch“.
In praxi ist die ganze Vernunft, die ganze Erbschaftvon Klugheit, Feinheit, Vorsicht, welche die Voraus-