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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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Die heilige Lüge hat also einen strafenden undbelohnenden Gott erfunden, der exact das Gesetzbuchder Priester anerkennt und exact sie als seine Mund-stücke und Bevollmächtigten in die Welt schickt; einJenseits des Lebens, in dem die grosse Straf-Maschineerst wirksam gedacht wird, zu diesem Zwecke dieUnsterblichkeit der Seele; das Gewissen imMenschen, als das Bewusstsein davon, dass Gut undBöse feststeht, dass Gott selbst hier redet, wenn esdie Conformität mit der priesterlichen Vorschrift anräth; die Moral als Leugnung alles natürlichen Verlaufs,als Reduction alles Geschehens auf ein moralisch-bedingtesGeschehen, die Moralwirkung (d. h. die Straf- und Lohn-Idee) als die Welt durchdringend, als einzige Gewalt, alscreator von allem Wechsel; die Wahrheit als gegeben,als geoffenbart, als zusammenfallend mit der Lehre derPriester: als Bedingung alles Heils und Glücks in diesemund jenem Leben.

In siimma: womit ist die moralische Besserungbezahlt? Aushängung der Vernunft, Reduction allerMotive auf Furcht und Hoffnung (Strafe und Lohn);Abhängigkeit von einer priesterlichen Vormundschaft,von einer Formalien-Genauigkeit, welche den Anspruchmacht, einen göttlichen Willen auszudrücken; die Ein-pflanzung einesGewissens, welches ein falsches Wissenan Stelle der Prüfung und des Versuchs setzt: wie als obes bereits feststünde, was zu thun und was zu lassenwäre, eine Art Castration des suchenden und vorwärts-strebenden Geistes; in stimma: die ärgste Verstüm-melung des Menschen, die man sich vorstellen kann,angeblich als dergute Mensch.

In praxi ist die ganze Vernunft, die ganze Erbschaftvon Klugheit, Feinheit, Vorsicht, welche die Voraus-