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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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ab für die Kasten-Ordnung. Die extreme Angst desPriesters vor der Sinnlichkeit ist zugleich bedingt durchdie Einsicht, dass hier die Kasten-Ordnung (dasheisst die Ordnung überhaupt) am schlimmsten bedrohtist . . . Jedefreiere Tendenz in puncto puncti wirftdie Ehegesetzgebung über den Haufen

98.

Kritik der heiligen Lüge. Dass zu frommenZwecken die Lüge erlaubt ist, das gehört zur Theoriealler Priesterschaften, wie weit es zu ihrer Praxis ge-hört, soll der Gegenstand dieser Untersuchung sein.

Aber auch die Philosophen, sobald sie mit priester-lichen Hinterabsichten die Leitung der Menschen in dieHände zu nehmen beabsichtigen, haben sofort auch sichein Recht zur Lüge zurecht gemacht: Plato voran. Amgrossartigsten ist die doppelte durch die typisch-arischenPhilosophen des Vedanta entwickelte: zwei Systeme, inallen Hauptpunkten widersprüchlich, aber aus Erziehungs-zwecken sich ablösend, ausfüllend, ergänzend. Die Lügedes einen soll einen Zustand schaffen, in dem die Wahr-heit des andern erst hörbar wird . . .

Wie weit geht die fromme Lüge der Priester undder Philosophen? Man muss hier fragen, welche Vor-aussetzungen zur Erziehung sie haben, welche Dogmensie erfinden müssen, um diesen Voraussetzungen genugzu thun?

Erstens: sie müssen die Macht, die Autorität, dieunbedingte Glaubwürdigkeit auf ihrer Seite haben.

Zweitens: sie müssen den ganzen Naturverlauf inHänden haben, sodass Alles, was den Einzelnen trifft,als bedingt durch ihr Gesetz erscheint.