Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

Nichts von dem Anarchisten, den man mit einer Haus-suchung überfällt.

Es giebt Handlungen, die unser unwürdig sind:Handlungen, die, als typisch genommen, uns in eineniedrigere Gattung herabdrücken würden. Hier hat manallein diesen Fehler zu vermeiden, dass man sie typischnimmt. Es giebt die umgekehrte Art Handlungen, derenwir nicht würdig sind: Ausnahmen, aus einer besonderenFülle von Glück und Gesundheit geboren, unsere höchstenFluthwellen, die ein Sturm, ein Zufall einmal so hochtrieb: solche Handlungen undWerke sind ebenfallsnicht typisch. Man soll einen Künstler nie nach demMaasse seiner Werke messen.

95 -

Die allgemeine Täuschung und Täuscherei im Ge-biete der sogenannten moralischen Besserung.Wir glauben nicht daran, dass ein Mensch ein Andererwird, wenn er es nicht schon ist: d. h. wenn er nicht,wie es oft genug vorkommt, eine Vielheit von Personen,mindestens von Ansätzen zu Personen, ist. In diesemFalle erreicht man, dass eine andre Rolle in den Vorder-grund tritt, dassder alte Mensch zurückgeschobenwird . . . Der Anblick ist verändert, nicht das Wesen . . .Dass Jemand aufhört, gewisse Plandlungen zu thun, istein blosses factum brutum, das die verschiedenste Deutungzulässt. Für die Gesellschaft freilich hat gerade Das alleinein Interesse, dass Jemand gewisse Handlungen nichtmehr thut: sie nimmt ihn zu diesem Zwecke aus den Be-dingungen heraus, wo er gewisse Handlungen thun kann:das ist jedenfalls weiser, als das Unmögliche versuchen,