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stände haben uns zu ihr begünstigt. Wer von uns hättenicht, von den Umständen begünstigt, schon die ganzeScala der Verbrechen durchgemacht? . . . Man soll des-halb nie sagen: „das und das hättest du nicht thun sollen“,sondern immer nur: „wie seltsam, dass ich das nicht schonhundert Mal gethan habe!“ — Zuletzt sind die wenigstenHandlungen typische Handlungen und wirklich Ab-breviaturen einer Person; und in Anbetracht, wie wenigPerson die Meisten sind, wird selten ein Mensch durcheine einzelne That charakterisirt. That der Umstände,bloss epidermal, bloss reflexmässig als Auslösung aufeinen Reiz erfolgend: lange bevor die Tiefe unseresSeins davon berührt, darüber befragt worden ist. EinZorn, ein Griff, ein Messerstich: was ist daran von Person!— Die That bringt häufig eine Art Starrblick und Un-freiheit mit sich: sodass der Thäter durch ihre Erinne-rung wie gebannt ist und sich selbst bloss als Zubehörzu ihr noch fühlt. Diese geistige Störung, eine Formvon Hypnotisirung, hat man vor Allem zu bekämpfen:eine einzelne That, sie sei welche sie sei, ist doch imVergleich mit Allem, was man thut, gleich Null unddarf weggerechnet werden, ohne dass die Rechnungfalsch würde. Das unbillige Interesse, welches die Ge-sellschaft haben kann, unsre ganze Existenz nur in EinerRichtung nachzurechnen, wie als ob ihr Sinn sei, eineeinzelne That herauszutreiben, sollte den Thäter selbstnicht anstecken: leider geschieht es fast beständig. Dashängt daran, dass jeder That mit ungewöhnlichen Folgeneine geistige Störung folgt: gleichgültig selbst, ob dieseFolgen gute oder schlimme sind. Man sehe einen Ver-liebten an, dem ein Versprechen zu Theil geworden;einen Dichter, dem ein Theater Beifall klatscht: sie unter-scheiden sich, was den torpor intellectualis betrifft, in
Ni etz s ch e, Werke II. Abtheilung. Wille zur Macht. ^