Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

rechenbarem sind, für wichtiger genommen, als die ge-sunden Zustände und deren Folgen. Man fürchtete sich:man setzte hier eine höhere Welt an. Man hat denSchlaf und Traum, man hat den Schatten, die Nacht, denNaturschrecken verantwortlich gemacht für das Ent-stehen zweiter Welten: vor Allem sollte man die Sym-ptome der physiologischen Erschöpfung daraufhin be-trachten. Die alten Religionen discipliniren ganz eigentlichden Frommen zu einem Zustande der Erschöpfung, woer solche Dinge erleben muss . . . Man glaubte in einehöhere Ordnung ein getreten zu sein, wo Alles auf hört,bekannt zu sein. Der Schein einer höheren Macht . . .

9 1 -

Der Schlaf als Folge jeder Erschöpfung, die Er-schöpfung als Folge jeder übermässigen Reizung . . .

Das Bedürfniss nach Schlaf, die Vergöttlichung undAdoration selbst des BegriffesSchlaf in allen pessi-mistischen Religionen und Philosophien '

Die Erschöpfung ist in diesem Fall eine Rassen-Erschöpfung; der Schlaf, psychologisch genommen, nurein Gleichniss eines viel tieferen und längeren Ruhen-müssens . . . In praxi ist es der Tod, der hier unterdem Bilde seines Bruders, des Schlafes, so verführerischwirkt . . .

92.

Der ganze christliche Buss- und Erlösungs - trainingkann aufgefasst werden als eine willkürlich erzeugte foliecirculaire: wie billig nur in bereits prädestinirten, näm-lich morbid angelegten Individuen erzeugbar.