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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
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Ich habe das Glück, nach ganzen Jahrtausenden derVerirrung und Verwirrung den Weg wiedergefunden zuhaben, der zu einem Ja und einem Nein führt.

Ich lehre das Nein zu Allem, was schwach macht, was erschöpft.

Ich lehre das Ja zu Allem, was stärkt, was Kraftaufspeichert, was das Gefühl der Kraft rechtfertigt.

Man hat weder das Eine, noch das Andere bishergelehrt: man hat Tugend, Entselbstung, Mitleiden, manhat selbst Verneinung des Lebens gelehrt. Dies Allessind Werthe der Erschöpften.

Ein langes Nachdenken über die Physiologie derErschöpfung zwang mich zu der Frage, wie weit dieUrtlieile Erschöpfter in die Welt der Werthe ein ge-drungen seien.

Mein Ergebniss war so überraschend wie möglich,selbst für mich, der in mancher fremden Welt schon zuHause war: ich fand alle obersten Werthurtheile, alle,die Herr geworden sind über die Menschheit, mindestenszahm gewordene Menschheit, zurückführbar auf dieUrtheile Erschöpfter.

Unter den heiligsten Namen zog ich die zerstörerischenTendenzen heraus; man hat Gott genannt, was schwächt,Schwäche lehrt, Schwäche inficirt . . . ich fand, dass dergute Mensch eine Selbstbejahungsform der decadence ist.

Jene Tugend, von der noch Schopenhauer gelehrthat, dass sie die oberste, die einzige und das Fundamentaller Tugenden sei: eben jenes Mitleiden erkannte ichals gefährlicher, als irgend ein Laster. Die Auswahl inder Gattung, ihre Reinigung vom Abfall grundsätzlichkreuzen das hiess bisher Tugend par excellence . . .