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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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Man täuscht sich jedes Mal, wenn man einenFort-schritt von einem Ideal erwartet: der Sieg des Idealswar jedes Mal bisher eine retrograde Bewegung.

Christenthum, Revolution, Aufhebung der Sclaverei,gleiche Rechte, Philanthropie, Friedensliebe, Gerechtigkeit,Wahrheit: alle diese grossen Worte haben nur Werth imKampf, als Standarte: nicht als Realitäten, sondern alsPrunkworte, für etwas ganz Anderes (ja Gegensätz-liches!).

84.

Wenn wirEnttäuschte sind, so sind wir es nichtin Hinsicht auf das Leben: sondern, dass uns über dieWünschbarkeiten aller Art die Augen aufgegangensind. Wir sehen mit einem spöttischen Ingrimm Dem zu,wasIdeal heisst: wir verachten uns nur darum, nichtzu jeder Stunde jene absurde Regung niederhalten zukönnen, welcheIdealismus heisst. Die Verwöhnungist stärker, als der Ingrimm des Enttäuschten.

85.

Zu begreifen: Dass alle Art Verfall und Er-krankung fortwährend an den Gesammt-Werthurtheilenmitgearbeitet hat: dass in den herrschend gewordnenWerthurtheilen die decadence sogar zum Übergewichtgekommen ist: dass rvir nicht nur gegen die Folge-zustände aller gegenwärtigen Entartung zu kämpfen haben,sondern alle bisherige decadence rückständig, dasheisst lebendig geblieben ist. Eine solche Gesammt-Abirrung der Menschheit von ihren Grundinstincten, einesolche Gesummt - decadence des Werthurtheils ist dasFragezeichen par excellence, das eigentliche Räthsel, dasdasThier Mensch dem Philosophen aufgiebt.

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