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Man täuscht sich jedes Mal, wenn man einen „Fort-schritt“ von einem Ideal erwartet: der Sieg des Idealswar jedes Mal bisher eine retrograde Bewegung.
Christenthum, Revolution, Aufhebung der Sclaverei,gleiche Rechte, Philanthropie, Friedensliebe, Gerechtigkeit,Wahrheit: alle diese grossen Worte haben nur Werth imKampf, als Standarte: nicht als Realitäten, sondern alsPrunkworte, für etwas ganz Anderes (ja Gegensätz-liches!).
84.
Wenn wir „Enttäuschte“ sind, so sind wir es nichtin Hinsicht auf das Leben: sondern, dass uns über die„Wünschbarkeiten“ aller Art die Augen aufgegangensind. Wir sehen mit einem spöttischen Ingrimm Dem zu,was „Ideal“ heisst: wir verachten uns nur darum, nichtzu jeder Stunde jene absurde Regung niederhalten zukönnen, welche „Idealismus“ heisst. Die Verwöhnungist stärker, als der Ingrimm des Enttäuschten.
85.
Zu begreifen: — Dass alle Art Verfall und Er-krankung fortwährend an den Gesammt-Werthurtheilenmitgearbeitet hat: dass in den herrschend gewordnenWerthurtheilen die decadence sogar zum Übergewichtgekommen ist: dass rvir nicht nur gegen die Folge-zustände aller gegenwärtigen Entartung zu kämpfen haben,sondern alle bisherige decadence rückständig, dasheisst lebendig geblieben ist. Eine solche Gesammt-Abirrung der Menschheit von ihren Grundinstincten, einesolche Gesummt - decadence des Werthurtheils ist dasFragezeichen par excellence, das eigentliche Räthsel, dasdas „Thier Mensch“ dem Philosophen aufgiebt —.
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