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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
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gesetzten Falle, bei grosser Schwerfälligkeit und Härtedes Systems, sind starke Reize nöthig, um die Functionenin Gang zu bringen.

Die Ausschweifung ist uns nur ein Einwand gegenDen, der zu ihr kein Recht hat; und fast alle Leidenschaftensind in schlechten Ruf Derentwegen gebracht, die nichtstark genug sind, sie zu ihrem Nutzen zu wenden.

Man muss sich darüber verstehn, dass gegen Leiden-schaft eingewendet werden kann, was gegen Krank-heit einzuwenden ist: trotzdem wir dürften der Krank-heit nicht entbehren, und noch weniger der Leidenschaften.Wir brauchen das Anormale, wir geben dem Lebeneinen ungeheuren choc durch diese grossen Krankheiten ...

Im Einzelnen ist zu unterscheiden:

1) die dominirende Leidenschaft, welche sogardie supremste Form der Gesundheit überhaupt mit sichbringt: hier ist die Coordination der innern Systeme undihr Arbeiten in Einem Dienste am besten erreicht,aber das ist beinahe die Definition der Gesundheit!

2) das Gegeneinander der Leidenschaften, die Zwei-heit, Dreiheit, Vielheit derSeelen in Einer Brust: sehrungesund, innerer Ruin, auseinanderlösend, einen innerenZwiespalt und Anarchismus verrathend und steigernd:es sei denn, dass eine Leidenschaft endlich Herr wird.Rückkehr der Gesundheit

3) das Nebeneinander, ohne ein Gegeneinander undFüreinander zu sein: oft periodisch, und dann, sobald eseine Ordnung gefunden hat, auch gesund . . . Die inter-essantesten Menschen gehören hierher, die Chamäleons;sie sind nicht im Widerspruch mit sich, sie sind glück-lich und sicher, aber sie haben keine Entwicklung,ihre Zustände liegen neben einander, wenn sie auch sieben-mal getrennt sind. Sie wechseln, sie werden nicht . . .