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„Musik“ — und der grosse Stil. — Die Grösseeines Künstlers bemisst sich nicht nach den „schönenGefühlen“, die er erregt: das mögen die Weibleinglauben. Sondern nach dem Grade, in dem er sich demgrossen Stile nähert, in dem er fähig ist des grossenStils. Dieser Stil hat Das mit der grossen Leiden-schaft gemein, dass er es verschmäht, zu gefallen; dasser es vergisst, zu überreden; dass er befiehlt; dass erwill . . . Über das Chaos Herr werden, das man ist; seinChaos zwingen, Form zu werden: logisch, einfach, un-zweideutig, Mathematik, Gesetz werden — das ist hierdie grosse Ambition. — Mit ihr stösst man zurück;Nichts reizt mehr die Liebe zu solchen Gewaltmenschen,— eine Einöde legt sich um sie, ein Schweigen, eineFurcht wie vor einem grossen Frevel . . . Alle Künstekennen solche Ambitiöse des grossen Stils: warum fehlensie in der Musik? Noch niemals hat ein Musiker gebautwie jener Baumeister, der den Palazzo Pitti schuf . . .Hier liegt ein Problem. Gehört die Musik vielleicht injene Cultur, wo das Reich aller Art Gewaltmenschen schonzu Ende gieng? Widerspräche zuletzt der Begriff grosserStil schon der Seele der Musik, — dem „Weibe“ inunsrer Musik? . . .
Ich berühre hier eine Cardinal-Frage: wohin gehörtunsre ganze Musik? Die Zeitalter des classischen Ge-schmacks kennen nichts ihr Vergleichbares: sie ist auf-geblüht, als die Renaissance-Welt ihren Abend er-reichte, als die „Freiheit“ aus den Sitten und selbstaus den Menschen davon %var: — gehört es zu ihremCharakter, Gegenrenaissance zu sein? Ist sie dieSchwester des Barockstils, da sie jedenfalls seine Zeit-
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