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Es giebt heute auch einen Musiker - Pessimismus,selbst noch unter Nicht-Musikern. Wer hat ihn nichterlebt, wer hat ihm nicht geflucht, dem unseligen Jüng-ling, der sein Clavier bis zum Verzweiflungsschrei martert,der eigenhändig den Schlamm der düstersten graubraunstenHarmonien vor sich herwälzt? Damit ist man erkannt,als Pessimist . . . Ob man aber damit auch als musika-lisch erkannt ist? Ich würde es nicht zu glauben wissen.Der Wagnerianer pur sang ist unmusikalisch; er unter-liegt den Elementarkräften der Musik ungefähr wie dasWeib dem Willen seines Hypnotiseurs unterliegt — undum dies zu können, darf er durch kein strenges undfeines Gewissen in rebus musicis et musicantibus miss-trauisch gemacht sein. Ich sagte „ungefähr wie“ —:aber vielleicht handelt es sich hier um mehr als einGleichniss. Man erwäge die Mittel zur Wirkung, derensich Wagner mit Vorliebe bedient (— die er zu einemguten Theile sich erst hat erfinden müssen): sie ähnelnin einer befremdlichen Weise den Mitteln, mit denen derHypnotiseur es zur Wirkung bringt (— Wahl der Be-wegungen, der Klangfarben seines Orchesters, das ab-scheuliche Ausweichen vor der Logik und Quadratur desRhythmus, das Schleichende, Streichende, Geheimniss-volle, der Hysterismus seiner „unendlichen Melodie“). —Und ist der Zustand, in welchen z. B. das Lohengrin-Vorspiel den Zuhörer und noch mehr die Zuhörerinversetzt, wesentlich verschieden von der somnambulischenEkstase? — Ich hörte eine Italienerin nach dem Anhören desgenannten Vorspiels sagen, mit jenen hübsch verzücktenAugen, auf welche sich die Wagnerianerin versteht:„come si dornte con qtiesta musical“ —
Nietzsche, "Werke II. Abtheilung. Wille zur Macht.
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