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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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6i.

Wenn man unter Genie eines Künstlers die höchsteFreiheit unter dem Gesetz, die göttliche Leichtigkeit,Leichtfertigkeit im Schwersten versteht, so hat Offen-bach noch mehr Anrecht auf den NamenGenie alsWagner. Wagner ist schwer, schwerfällig: Nichts ist ihmfremder als Augenblicke übermüthigster Vollkommenheit,wie sie dieser Hanswurst Offenbach fünf, sechs Mal fastin jeder seiner bouffoneries erreicht. Aber vielleicht darfman unter Genie etwas Anderes verstehen.

62.

Ich unterscheide den Muth vor Personen, den Muthvor Sachen und den Muth vor dem Papier. Letztererwar z. B. der Muth David Straussens. Ich unterscheidenochmals den Muth vor Zeugen und den Muth ohneZeugen: der Muth eines Christen, eines Gottgläubigenüberhaupt kann niemals Muth ohne Zeugen sein, er istdamit allein schon degradirt. Ich unterscheide endlich denMuth aus Temperament und den Muth aus Furcht vor derFurcht: ein Einzelfall der letzteren Species ist der moralischeMuth. Plierzu kommt noch der Muth aus Verzweiflung.

Wagner hatte diesen Muth. Seine Lage hinsichtlichder Musik war im Grunde verzweifelt. Ihm fehlte Beides,was zum guten Musiker befähigt: Natur und Cultur,die Vorbestimmung für Musik und die Zucht undSchulung zur Musik. Er hatte Muth: er schuf ausdiesem Mangel ein Princip, er erfand sich eineGattung Musik. Diedramatische Musik, wie er sieerfand, ist die Musik, welche er machen konnte . . .ihr Begriff sind die Grenzen Wagners.