>1
— 40 —
Die Romantik ist Nachschlag des achtzehntenJahrhunderts; eine Art aufgethürmtes Verlangen nachdessen Schwärmerei grossen Stils (— thatsächlich ein gutStück Schauspielerei und Selbstbetrügerei: man wolltedie starke Natur, die grosse Leidenschaft darstellen).
Das neunzehnte Jahrhundert sucht instinctiv nachTheorien, mit denen es seine fatalistische Unter-werfung unter das Thatsächliche gerechtfertigt fühlt.Schon Hegel’s Erfolg gegen die „Empfindsamkeit“ undden romantischen Idealismus lag im Fatalistischen seinerDenkweise, in seinem Glauben an die grössere Vernunftauf Seiten des Siegreichen, in seiner Rechtfertigung deswirklichen „Staats“ (an Stelle von „Menschheit“ u. s. w.).Schopenhauer: wir sind etwas Dummes und, besten Falls,sogar etwas Sich-selbst-Aufhebendes. Erfolg des Deter-minismus, der genealogischen Ableitung der früher alsabsolut geltenden Verbindlichkeiten, die Lehre vommilieiv und der Anpassung, die Reduction des Willensauf Reflexbewegungen, die Leugnung des Willens als„wirkenderUrsache“; endlich — eine wirkliche Umtaufung:man sieht so wenig Wille, dass das Wort frei wird, umetwas Anderes zu bezeichnen. Weitere Theorien: dieLehre von der Objectivität, „willenlosen“ Betrachtung,als einzigem Weg zur Wahrheit; auch zur Schönheit(— auch der Glaube an das „Genie“, um ein Recht aufUnterwerfung zu haben); der Mechanismus, die aus-rechenbare Starrheit des mechanischen Processes; derangebliche „Naturalismus“, Elimination des wählenden,richtenden, interpretirenden Subjects als Princip —
Kant, mit seiner „praktischen Vernunft“, mit seinemMoral-Fanatismus ist ganz achtzehntes Jahrhundert;noch völlig ausserhalb der historischen Bewegung; ohnejeden Blick für die Wirklichkeit seiner Zeit, z. B. Revo-