II.
Zur Kritik der Modernität.
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Renaissance und Reformation. — Was beweistdie Renaissance? Dass das Reich des „Individuums“ nurkurz sein kann. Die Verschwendung ist zu gross; esfehlt die Möglichkeit selbst, zu sammeln, zu capitalisiren,und die Erschöpfung folgt auf dem Fusse. Es sindZeiten, wo Alles verthan wird, wo die Kraft selbstverthan wird, mit der man sammelt, capitalisirt, Reich-thum auf Reichthum häuft . . . Selbst die Gegner solcherBewegungen sind zu einer unsinnigen Kraft-Vergeudunggezwungen; auch sie werden alsbald erschöpft, aus-gebraucht, öde.
Wir haben in der Reformation ein wüstes undpöbelhaftes Gegenstück zur Renaissance Italiens, ver-wandten Antrieben entsprungen, nur dass diese imzurückgebliebenen, gemein gebliebenen Norden sichreligiös verkleiden mussten, — dort hatte sich der Be-griff des höheren Lebens von dem des religiösen Lebensnoch nicht abgelöst.
Auch mit der Reformation will das Individuum zurFreiheit; „Jeder sein eigner Priester“ ist auch nur eineFormel der Libertinage. In Wahrheit genügte Ein Wort— „evangelische Freiheit“ — und alle Instincte, die