ist. Ihr Dogma ist aber, dass, weil unsere Erscheinungs-welt so ersichtlich nicht der Ausdruck jenes Ideals ist,sie eben nicht „wahr“ ist, — und im Grunde nicht ein-mal auf jene metaphysische Welt als Ursache zurück-führt. Das Unbedingte, sofern es jene höchste Voll-kommenheit ist, kann unmöglich den Grund für allesBedingte abgeben. Schopenhauer, der es anders wollte,hatte nöthig, jenen metaphysischen Grund sich alsGegensatz zum Ideale zu denken, als „bösen, blindenWillen“: dergestalt konnte er dann „das Erscheinende“sein, das in der Welt der Erscheinung sich offenbart.Aber selbst damit gab er nicht jenes Absolutum vonIdeal auf . . .
(Kant schien die Hypothese der „intelligiblen Frei-heit“ nöthig, um das ens perfectum von der Verantwort-lichkeit für das So-und-So-sein dieser Welt zu ent-lasten, kurz um das Böse und das Übel zu erklären:eine scandalöse Logik bei einem Philosophen . . . )
Moral als höchste Abwerthung. — Entwederist unsere Welt das Werk und der Ausdruck (der modus )Gottes: dann muss sie höchst vollkommen sein (SchlussLeibnizens . . ) — und man zweifelte nicht, was zur Voll-kommenheit gehöre, zu wissen ■—, dann kann das Böse,das Übel nur scheinbar sein (radicaler bei Spinozadie Begriffe Gut und Böse) oder muss aus dem höchstenZwecke Gottes abgeleitet sein (— etwa als Folge einerbesonderen Gunsterweisung Gottes, der zwischen Gutund Böse zu wählen erlaubt: das Privilegium, kein
Automat zu sein; „Freiheit“ auf die Gefahr hin, sich zuvergreifen, falsch zu wählen . . . z. B. bei Simplicius imCommentar zu Epiktet).
Oder unsere Welt ist unvollkommen, das Übelund die Schuld sind real, sind determinirt, sind absolut