„ starke Cultur beruht) sich löst, sodass die einzelnenWerthe sich Krieg machen: Zersetzung —, dassAlles, was erquickt, heilt, beruhigt, betäubt, in denVordergrund tritt, unter verschiedenen Verkleidungen,religiös, oder moralisch, oder politisch, oder ästhetisch u.s.w.
Der Nihilismus stellt einen pathologischen Zwischen-zustand dar (— pathologisch ist die ungeheure Verall-gemeinerung, der Schluss auf gar keinen Sinn —): seies, dass die productiven Kräfte noch nicht stark genugsind, — sei es, dass die decadence noch zögert und ihreHülfsmittel noch nicht erfunden hat.
b) Voraussetzung dieser Hypothese: —Dass eskeine Wahrheit giebt; dass es keine absolute Be-schaffenheit der Dinge, kein „Ding an sich“ giebt. —Dies ist selbst nur Nihilismus, und zwar derextremste. Er legt den Werth der Dinge gerade da-hinein, dass diesen Werthen keine Realität entsprichtund entsprach, sondern dass sie nur ein Symptom vonKraft auf Seiten der Werth-Ansetzer sind, eine Sim-plification zum Zweck des Lebens.
3 -
Die Frage des Nihilismus „wozu?“ geht von derbisherigen Gewöhnung aus, vermöge deren das Ziel vonAussen her gestellt, gegeben, gefordert schien — nämlichdurch irgend eine übermenschliche Autorität. Nach-dem man verlernt hat, an diese zu glauben, sucht mandoch nach alter Gewöhnung nach einer anderen Auto-rität, welche unbedingt zu reden wüsste und Zieleund Aufgaben befehlen könnte. Die Autorität desGewissens tritt jetzt in erste Linie (je mehr emancipirtvon der Theologie, um so imperatorischer wird die Moral);