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13 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 5 (1903) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
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101
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Redlichkeit geht: weil sie Kunst ist. Wie ist es «unmöglich, dass es eineRedlichkeit giebt, welche dieMoral selber zersetzt? i) Diese Redlichkeit muss ausdem Thatsachen-Sinn abzuleiten sein: nämlich man hatzu viel Schaden gehabt von dieser Heuchelei derVerschönerung, die Geschädigten reissen die Maskeherunter. 2) Es giebt einen Genuss des Hässlichen,wenn es furchtbar ist: die Emotion des furchtbarenAnblicks der wahren menschlichen Natur ist oft gesuchtworden von den Moralisten. 3) Der christliche Affectder Selbst-Zerstörung, der Widerspruch gegen alles Ver-schönernde hat gearbeitet: die Lust der Grausamkeit.4) Der alte Sclavensinn, welcher sich niederwerfen willund schliesslich vor der nacktenThatsache sich nieder-wirft, nachdem Nichts übrig geblieben ist: Vergötterungder facta , der Gesetze u. s. w., ein Ausruhen nach langerArbeit der Zerstörung von Göttern, Aristokratien, Vor-urtheilen u. s. w., und Folge eines Blicks ins Leere.-

Das Gesammt-Resultat aller Moralisten: derMensch ist böse, ein Raubthier. DieVerbesserunggeht nicht auf den Grund und ist mehr äusserlich, dasGute ist wesentlich Decoration, oder Schwäche. Dabeiaber standen die Moralisten selber unter der Nachwirkungder moralischen Urtheile, oder des Christenthums, derWeltverneinung: Niemand noch hat ein Vergnügenan diesem Resultat gehabt. Das heisst: sie haben dieWerthschätzung derGuten selber!

Man muss den Menschen verschönern und erträglichmachen: dagegen sagt das Christenthum und der Bud-dhismusman muss ihn verneinen. Es hat also imGrunde Nichts so gegen sich, als den guten Menschen:den hasst es am meisten. Deshalb suchen die PriesterSelbst-Zerstörung des Genusses an sich mit allen Mitteln.